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25. März 2005 - 23. April 2005

RABEA EIPPERLE - unbekleidet mit Auto

TANYA URY - Röslein sprach..., Poker Poems


Eröffnung: Gründonnerstag, 24. März 2005 19.00Uhr

Rabea Eipperle(*1973) und Tanya Ury (*1951) stellen wir gegenüber, weil beide Positionen einnehmen, die die Frage nach Konstruktion von Identität in besonders radikaler Weise thematisieren.

Eipperle richtet in ihrer Fotoarbeit "unbekleidet mit Auto" den Blick auf die Rolle des Mannes, seiner Identität und damit verbunden auch auf die Frage nach Macht. Nackte Männer, in der Überzahl Anhänger von Freikörperkultur, stellen sich vor ihren Autos dar, banale Posen, normaler Alltag. Unsere Gesellschaft ist jedoch eine verhüllte, nackte Haut wird nach strengen Kodexen und Kategorien vermarktet, ein Geschäft (in der Mehrzahl von Männern konsumiert). Diese uns gezeigte Nacktheit aber ist radikal frei davon, sie ist privat und fordert heraus. In der DDR war Freikörperkultur Teil der gesellschaftlichen Identität, heute ist sie wie der Staat selbst, verschwunden.
Eipperle entscheidet sich für dieses Motiv "Auto und Mann", isoliert es aus seinem Zusammenhang in wiederholter Weise. Unverschämt im wahrsten Sinne des Wortes zeigen sich diese Wirklichkeiten. Eipperle inszeniert so radikal im Interesse der Abgelichteten, auf den ersten Eindruck vermeint man private Schnappschüsse zu sehen. Erst in der Serie wird erkennbar, dass alle Männer einer Idee folgen mit der sie sich identifizieren. Es ist unentschieden ob sie für das Kunstprojekt posieren oder ihrer Freikörperkulturüberzeugung auf diese Weise (wieder) Öffentlichkeit verschaffen. Eipperle erzeugt gezielt diese Ambivalenz und lässt uns selbst entscheiden, wie wir sie sehen wollen. Mehr unter www.rabeaeipperle.de

Ury als nachgeborene von Holocaustüberlebenden beschäftigt sich in ihrer Kunst mit der zentralen Fragestellung ihrer eigenen Identität. Aus der Distanz heraus zeigt sie uns was sie sieht: unlösbare Verflechtungen diverser Identitäten, verwurzelt in der Vergangenheit. Die Einmischung von Geschichte ins Private, zwingt ihr die Recherche der Geschichte auf. Durch ihre Kunstprojekte macht sie den Prozess erlebbar, wie sie als Mitglied einer Minderheit ihre individuelle Identität sucht und versucht zu definieren. Und wie das ohne uns, die sie Umgebenden nicht zu lösen ist. Dabei steht die Frage im Raum, wie gehen Nachgeborene der Täter mit der eigenen Geschichte um? Ury dekonstruiert in ihrem Video "Röslein sprach…" am Beispiel der Bekleidungsfirma Boss, die für die Öffentlichkeit konzipierte Identität und verflechtet sie mit der verborgenen Vergangenheit, der Verstrickung mit der Nazivergangenheit. Ury findet beeindruckende künstlerische Bilder dafür, der Betrachter wird Zeuge wie das Logo von Boss, nur als Wort, der Haut der Künstlerin eingenäht wird. Eine weitere Arbeit ist Poker Poems. Ein Gedicht verfasst von Ury und spiegelverkehrt geschrieben präsentiert. Eine fiktive Interaktion zwischen dem Diktator Adolf Hitler und dem Philosophen Ludwig Wittgenstein. "In Urys Gedicht ersetzt Adolf Hitler die Person von Karl Popper, dem Wettstreiter für die philosophische Krone -, der sich mit Wittgenstein ein berüchtigtes Poker-Spiel der Wörter in einem Moral Science Club Seminar, 1946, in Cambridge, England lieferte." (Urys Pressetext) Beide Geisteswissenschaftler emigrierten in Folge ihrer Verfolgung unter Hitler nach Großbritannien. Hitler und Wittgenstein wurden im Abstand von 5 Tagen im selben Jahr geboren und besuchten als 14-Jährige die gleiche Schule im österreichischen Linz. Die Gegensätzlichkeit von Identitätsfindung ausgehend ähnlicher Voraussetzungen ist hier Thema. Mehr unter www.tanyaury.com